Das Recherche-Potenzial sozialer Medien

Otto_HostettlerSoziale Medien haben für Journalisten ein kaum überschätzbares Potenzial. Bald die Hälfte aller Schweizer haben einen Facebook-Account. Otto Hostettler vom Beobachter erklärte in einem Work-Shop, wie Journalisten Facebook, Twitter & Co. für ihre Recherchen nutzen können. Dabei sei es grundsätzlich wichtig, dass die Rechercheure ein Sensorium für Namen, wie etwa Ledignamen oder Nicknames, entwickeln.

Tool-Liste auf investigativ.ch

Hostettler zeigte auf, wie man mit sozialen Medien Auskunftspersonen oder Augenzeugen findet, Quellen überprüft und Profile analysiert. Dafür stellte er diverse Tools vor. Eine Liste dieser Tools findet man auf investigativ.ch.

Die eigentliche Personensuche bei Facebook gibt allerdings wenig her, weil sich viele nicht mit ihrem richtigen Namen anmelden. Hostettler empfiehlt deshalb folgende Google-Suche: „Name“ site:Facebook. Oder man gibt im Suchfenster von Facebook die Email-Adresse der Person ein. Denn: Jeder FB-User muss sich mit einer Email-Adresse anmelden.

Auch die Suchfunktion bei Twitter ist kaum brauchbar. Auch hier ist die Google-Suche besser, und zwar etwa mit: „Name“ twitter oder „Name (*@*) on Twitter“. Manchmal reicht auch „@ on Twitter“.

In Netzwerken suchen

NameChk.com zeigt, auf welchen Social Media Websites ein konkreter Nickname verwendet wird. Auskunftspersonen und Informanten findet man in den Netzwerken LinkedIn und Xing. Aber Achtung! Die Personen sehen, wer über sie recherchiert hat. Hostettlers Tipp: Erstellen Sie (mindestens) ein Rechercheprofil. Auf Twitter empfiehlt es sich, die betreffende Person auf eine Liste zu nehmen (direkt neben dem follow-button). Danach ist die Person abrufbar, ohne dass man ihr auch folgen muss. Und sie weiss somit nicht, dass man über sie recherchiert.

Während der Recherche soll der Journalist dauernd die Plausibilität der Informationen checken, das Umfeld analysieren und vor allem: ein Fake-Profil als solches erkennen. Dafür bietet das Netz diverse Tools. Tweetslats.com oder TwimeMachine.com verraten sehr viel über Twitterer, beispielsweise wie oft, mit wem, was und wann jemand twittert.

Der Blick in die Zufkunft

Mentionmap.com wiederum ist sehr effektiv, um herauszufinden, worüber und mit wem jemand korrespondiert. Aber auch Facebook bietet Möglichkeiten, Informanten und Augenzeugen zu finden. Zum Beispiel, indem man zuerst nach einer Organisation (Bsp: „Occupy Bern“) sucht und dort dann die Kommentare verfolgt. Ausserdem bietet die – mittlerweile gut versteckte – „erweiterte Suche“ diverse Suchfilter, beispielsweise denselben „Arbeitsplatz“ verschiedener Personen.

Zum Schluss wagte Hostettler einen Blick in die Zukunft. Seines Erachtens schlummert in Tools wie Gephi (auf gephi.org) oder der „graph search“ auf Facebook grosses Potenzial. Mit Gephi lassen sich FB-Gruppen durchleuchten, und via „graph search“ erfährt man, wer und wie viele Personen etwas Bestimmtes mögen, also „geliked“ haben. Ideal also für journalistisch aufbereitete Sozialstudien. [Adrian Huber]

Die ganze Präsentation von Otto Hostettler finden Sie hier.

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