Recherche im Ausland – heikel, aber wichtig

Mona_FahmyAuf was müssen Journalisten bei der Recherche im Ausland achten? Mona Fahmy, Leiterin des Reporterteams von Tagesanzeiger.ch / Newsnet, zeigte anhand ihrer Reise nach Lybien, auf welche Widerstände und Probleme Journalistinnen und Journalisten stossen können. Ihr Vortrag über die Berichterstattung mitten im Arabischen Frühling bot lehrreichen Stoff. Fahmys Checkliste dient als wertvolle Stütze vor jeder Reise.

Es fängt schon vor dem Flug an

Dass Journalisten zur Vorbereitung ein Visum beantragen und ihre technische Ausrüstung checken, versteht sich von selbst. Was aber wichtig ist: lokale Informationen einholen.  Auch wenn der Flug in zwei Stunden geht. Denn vor Ort können Reporterinnen und Reporter auf widrige Umstände stossen. Die Checkliste von Reporter ohne Grenzen ist dazu hilfreich.

Die Rolle der Stringer

Meistens müsse für die Übermittlung ins Heimatland alles sehr schnell gehen, besonders bei Onlinemedien, sagt Fahmy. Die gesammelten News, Fakten und Bilder sollen möglichst unmittelbar in der Redaktion ankommen. Was aber, wenn in einem Libyschen Internetcafé 30 Journalisten gleichzeitig das WLAN für ihre Datenübermittlung brauchen? Spätestens dann ist es für die Reporterinnen und Reporter ratsam, sich eine andere Überstragungsmöglichkeit zu suchen. „Hier spielen vertrauenswürdige Stringer eine wichtige Rolle“, sagt Fahmy. Die orts-, menschen- und sprachkundigen Vermittler sind unabdingbar für gute Informationen. Sie können die wertvollsten Tipps vor Ort geben oder gar einen Internetanschluss einer heimischen Familie vermitteln. Vorausgesetzt der Journalist oder die Journalistin hält sich an die lokalen Gepflogenheiten und begegnet der Bevölkerung mit Anstand und Respekt. Fahmy weiss: „Dann sind die Locals auch viel eher bereit, Auskunft und Hinweise für Geschichten zu geben, an die andere Reporter nicht herankommen.“

Die eigene Brille putzen

„Unser menschlicher Blick ist meistens durch Vorurteile getrübt“, sagt die Reporterin. Journalisten nehmen vieles gerne an, um rasch ihre These zu stützen. Wer aber sagt, dass jeder mit einer Waffe ein Böser sein muss? Vielleicht ist es ein Polizist oder ein Ordnungsbeauftragter, der gerade Feierabend hat.

Der Fakten-Check ist deshalb im Ausland umso wichtiger: Stimmt die Meldung, wenn sie von einer offiziellen Seite kommt? Und: Gerade wenn alle über etwas schreiben, das niemand gesehen hat, sind Zweifel berechtigt und eine Überprüfung vonnöten. Denn es fehlt die grundlegende Stütze der Information. Zur Aufklärung können hier NGO’s, die langjährige Arbeit vor Ort geleistet haben, gut informieren. Sie weisen auf die tatsächlichen Gefahren und die politische Rahmensituation in gewissen Gebieten hin. [Alain Brunner]

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